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Samstag, 28. November 2020

Schlussrunde #derHeld

Liebe alle,

in den letzten drei Wochen haben wir gemeinsam "Der Held" von Karl Rühmann gelesen, und damit mit dem Milchmann und der Marschallin gleich das dritte Buch, in dem Krieg eine nicht ganz unwichtige Rolle spielt. Liegt vielleicht einfach in der Luft momentan, dieses Thema.

Das Buch nimmt uns mit in einen fiktiven, aber stark an Jugoslawien erinnernden Dialog zwischen zwei Offizieren der beiden Konfliktparteien welche auf die Geschehnisse und ihre eigene Rolle darin zurückblicken. Ein Dialog der, wie sich im Laufe der Geschichte zeigt, trotz der teilweise tiefsinnig wirkenden Gedanken nicht immer ganz ehrlich ist. Gefallen hat mir (Patrick) der Ansatz mit den Briefwechsel und der stillen Mitleserin welche durch das heimliche Mitlesen quasi im Bilde ist obwohl sie auf ihre Fragen keine richtige Anwort kriegt. Weniger gefallen hat mir allerdings, dass die Geschichte gegen Ende hin eher vorhersehbar wurde und die teilweise etwas gar selbstgefälligen Ansichten der Offiziere manchmal arg aufgesetzt wirkten. Aber vielleicht ist der Schluss ja als Quittung für das Selbst-Belügen am Anfang zu verstehen...

Wie hat Euch das Buch gefallen? Lasst es uns auf Twitter oder im Doodle wissen.

Seraina & Patrick

Sonntag, 5. Juli 2020

Schlussrunde #höhtker

Liebe alle,

in Runde 89 haben wir zusammen "Schlachthof und Ordnung" von Christoph Höhtker gelesen (und vor lauter Diskutieren über das Abstimm-Ergebnis vergessen, die Leseabschnitte zu verbloggen). Aber vertwittern hat gereicht, wir sind ja schliesslich nicht der Blogger-Lesezirkel :-)

Ich (Patrick) habe ja eine leichte Schwäche für Bücher welche eine eigene Welt entwerfen und darin dann eine Geschichte erzählen. Rein von diesem Aspekt her bin ich bei diesem Buch daher definitiv nicht zu kurz gekommen. Eine Welt in welcher ein Wundermedikament in praktisch allen Lebenslagen Besserung bringt, gut beschrieben und manchmal erschreckend nahe an 2020, was kann da schon schiefgehen? An den Charakteren welche in dieser Welt (sei es unter dem süchtig machenden Einfluss des Medikaments, sei es in Verweigerung desselben) agieren, lag es jedenfalls nicht, dass das Buch dann doch teilweise ein ziemlich harter Lesekampf wurde. Aber manche Kapitel wirkten ein bisschen arg als ob der Autor selbst zu viel von seinem imaginären Medikament zu sich genommen hatte, und es war nicht immer immer ganz einfach, dem Faden zu folgen und die verschiedenen Handlungsstränge zusammenzuhalten. Auch wenn das ganze dann gegen Schluss wieder linearer und nachvollziehbarer wird: zwischendurch war es etwas des guten zu viel. Schade eigentlich, die angeschnittenen Themen an sich wären ja durchaus lesenswert. 

Wie hat es Euch gefallen? Lasst es uns wie immer per Doodle wissen.

/Seraina & Patrick

Donnerstag, 4. Juni 2020

Schlussrunde #parade

Liebe alle,

in Runde 88 haben wir "Die Parade" von Dave Eggers gelesen, mit etwas Verzögerung (was unserem Protagonisten Vier sicher nicht gefallen hätte) folgt hier noch der Rückblick.

Der Roman nimmt uns mit in eines der vielen (und von den ZirklerInnen geographisch völlig unterschiedlich verorteten) Ländern in welchem nach einen Bürgerkrieg langsam das normale Leben wieder beginnt und in welchem neue Infrastruktur in Form von Strassen entsteht. Die beiden anonymen Protagonisten Vier und Neun könnten unterschiedlicher nicht sein: hier Vier der funktioniert wie ein Uhrwerk, da Neun der völlig im Jetzt lebt und keinen Gedanken an Morgen zu verschwenden scheint. Der Strassenbau schreitet dann auch vor dem Hintergrund der Differenzen zwischen den beiden voran, und zumindest mir tat Vier fast ein bisschen leid wie er sich hier mit einem chaotischen und aus seiner Sicht unzuverlässigen Partner herumschlagen muss.

Überraschenderweise muss dann aber Vier notgedrungen von seiner strengen Planung abweichen als Neun lebensgefährlich erkrankt und er auf die Hilfe der Einheimischen angewiesen ist. Hier zeichnet sich nach ersten Hürden dann schon fast eine Art Verständnis und Nähe ab, welche ich ihm zum Anfang gar nicht zugetraut habe.

Der Knaller kommt dann am Schluss, als sich die als Zeichen der Verständigung gedachte Strasse dann eben auch als Aufmarschplatz für einen neuen Bürgerkrieg entpuppt. Vor diesem Hintergrund wirken die Differenzen zwischen Vier und Neun dann eher ziemlich unbedeutend.

Mich hat das Buch von den ersten Seiten an mitgenommen, wohl gerade wegen der schon fast kargen Beschreibung der Szenerie und der Personen. So blieb viel Raum und Zeit für das Kennenlernen der Figuren und ihres Verhaltens, und übers Drüber nachdenken dass nicht alles was gut gemeint ist dann wirklich auch gut genutzt wird.

Wie hat Euch das Buch gefallen? Abstimmen kann man wie immer per Doodle.

/Seraina & Patrick

Sonntag, 26. April 2020

Schlussrunde #hornby und #rooney

Liebe alle,

wir hoffen, dass Ihr den April trotz Corona-Sorgen und dem Spagat zwischen schönem Wetter und #StayAtHome gut überstanden habt. Im Lesezirkel standen "Gespräche mit Freunden" und "Keiner hat gesagt, dass Du ausziehen sollst" auf dem Programm.

Nick Hornbys "Keiner hat gesagt, dass Du ausziehen sollst" erzählt die Geschichte eines Paares welches sich nach einer langjährigen Beziehung und einem Seitensprung in einer Paartherapie befindet. Die Therapie selbst erleben wir nie, wir treffen die beiden nur jeweils zuvor wenn sie sich im Cafe gegenüber treffen und dabei über ihre Beziehung, ihre Gefühle, ihre Erlebnisse etc. reden. Das gibt dem ganzen einen durchaus interessanten Rahmen, auch wenn die Gespräche teilweise etwas vorhersehbar sind, und der abgeklärte Umgang beider mit der Situation irgendwie daran zweifeln lässt, ob sie effektiv in einer Krise stecken. Aber man kann ja darüber rätseln, ob es während den Therapie-Sessions intensiver zur Sache geht.

Mit "Gespräche mit Freunden" von Sally Rooney hatte ich (Patrick) mehr zu kämpfen als ich aufgrund der Thematik erwartet hätte. Zu alltäglich schien mir die Handlung, zu langsam die Erzählung, zu unreflektiert das Verhalten der Hauptpersonen. Immerhin gab es in der zweiten Hälfte dann doch noch die eine oder andere Charakter-Entwicklung, so richtig warmgeworden bin ich mit dem Buch aber definitiv nicht. Aber da ich vielleicht einfach zu weit weg bin vom Alltag junger Frauen, hier noch die Einschätzung von Mit-Zirklerin @jasminehelbling (Danke dafür!):

«Gespräche mit Freunden» von Sally Rooney schlug nach der Veröffentlichung grosse Wellen. Das Erstlingswerk der 29-Jährigen Irin wurde in über 10 Sprachen übersetzt und für mehrere Preise nominiert. Der Roman erzählt von den Dubliner Studentinnen Frances und Bobby, die das zehn Jahre ältere Ehepaar Melissa und Nick kennenlernen. Was zuerst einfach und entspannt erscheint, wird schnell verzwickt: Frances fühlt sich zu Nick hingezogen, Bobbi gefällt Melissa. Das Buch liest sich schnell, die Sprache ist einfach und abwechslungsreich (Berichte, Dialoge, SMS, E-Mails). Die Protagonistinnen diskutieren über aktuelle Themen wie Poetry Slams, Kunst, Politik und Genderfragen. Gleichgeschlechtliche und offene Beziehungen sind nichts Aussergewöhnliches und werden unkompliziert eingeflochten. Ein modernes Buch – Rooney gilt zurecht als Stimme ihrer Generation!

Wie haben Euch die beiden Bücher gefallen? Lasst es uns für #hornby und #rooney im Doodle wissen.

Bleibt gesund!
Seraina & Patrick

PS: Falls Ihr ein weiteres Buch aus den Runde 87-Vorschlägen lesen möchte, empfehle ich Euch "Die vierzig Tage der Lagune". Die Aktualität könnte nicht grösser sein, und das Buch liest sich teilweise wie ein Spiegel der letzten Wochen.

Samstag, 7. März 2020

Schlussrunde #dowlatow und #ohnewinter

Liebe alle,

aus diversen Reallife-Gründen hat in den letzten Wochen die Zeit zum Bloggen gefehlt, drum gibt es jetzt den Rückblick auf den Koffer und das Jahr ohne Winter im Doppelpack.

In Runde 84 nahm uns "Der Koffer" von Sergej Dowlatow mit auf eine Erinnerungsreise über ein Leben und Überleben in der (heutzutage ehemaligen) Sowietunion. Die Geschichten zu den einzelnen Erinnerungsstücken waren mal lustig, mal ernst, mal böse, aber immer mit einer gewissen entspannten Distanz und einer Wärme zu den involvierten Personen geschrieben. So blieb das Geschehen selbst in den etwas spezielleren Situationen immer irgendwie menschlich, auch wenn das in der Realität vielleicht nicht immer ganz so gewesen sein mag. Und die Geschichten geben auch 35 Jahre später einen Einblick in den damaligen russischen Alltag.

Vier Wochen später nahm uns Lorenz Langenegger in Runde 85 mit in ein "Jahr ohne Winter". Ein Titel der durchaus zum aktuellen Winter passt (auch wenn ich das Buch im verschneiten Ardez las) obwohl er eigentlich auf eine kurzfristig notwendig gewordene Reise in den australischen Sommer anspielt. Eine Reise zu welcher der Protagonisten quasi von seiner schwerkranken Ex-Schwiegermutter überredet wurde welche dringend Hilfe von seiner Ex-Frau braucht. Und da diese  im australischen Outback am Meditieren, muss der Ex-Schwiegersohn um die halbe Welt fliegen um die Botschaft zu überbringen. Die Geschichte erzählt dann sowohl die Suche nach der Ex-Frau wie auch die Suche des Protagonisten nach sich selbst nach der Scheidung, und irgendwie scheinen am Schluss beide näher am Ende ihrer Suche zu sein. Unterhaltsam fand ich die diversen Charaktere welche unterwegs ein Stück weiterhelfen, und die Zufälle welche vom einen zum anderen führen. Auch wenn es insgesamt etwas arg unwahrschienlich wirkt, ist es doch auch ein Appell an mehr Gelassenheit im Alltag.

Die Doodles lassen wir für einmal ausfallen, Ihr könnt Eure Eindrücke aber wie immer gerne auf Twitter kundtun.

Seraina & Patrick

Sonntag, 1. Dezember 2019

Schlussrunde #flusskrebse

Liebe alle,

im November haben wir gemeinsam "Der Gesang der Flusskrebse" von Delia Owens gelesen (und gehört). Die einen wohl auf Deutsch, die anderen (zumindest Patrick) auf Englisch.

Und auf Englisch war der Challenge für einmal nicht die gut erzählte und problemlos verständliche Geschichte an sich, sondern die vielen Exkurse in die Fauna der Küstensümpfe in North Carolina. So musste ich öfters zu Google Translate greifen als ich erwartet hätte, sollte ich jemals eine amerikanische Ornithologin kennenlernen, bin ich jetzt jedenfalls perfekt smalltalk-fähig :)

Aber zurück zur eigentlichen Geschichte: Die ist gut erzählt und entwickelte für mich einen zwar langsamen aber trotzdem relativ starken Sog, das Buch nicht aus der Hand zu legen bis die Protagonistin erwachsen und die Sache aufgeklärt ist. Die Autorin spielt da gut mit den beiden Zeitsträngen und lässt so Vergangenheit und Gegenwart geschickt zusammenfliessen. Und da das ganze durchaus spannend erzählt ist, kann man auch drüber wegsehen, dass die Geschichte der Einsiedlerin, die sich praktisch alleine durchs Leben schlägt und nebenher genügend lernt um schlussendlich wissenschaftliche Anerkennung zu finden, vielleicht etwas arg abenteuerlich wirkt. Vielleicht etwas schade, dass der Schluss (nicht von der Pointe her, eher von der Story an sich) etwas zusammengequetscht wirkt, aber das schmälert den Lesegenuss auf den vorherigen Seiten ja nicht.

Wie haben Euch die Flusskrebse gefallen? Lasst es uns via Doodle wissen!

Seraina & Patrick


Sonntag, 27. Oktober 2019

Schlussrunde #dersprung

Liebe alle,

in Runde 82 haben wir gemeinsam "Der Sprung" von Simone Lappert gelesen und damit eines der Bücher die für den diesjährigen Schweizer Buchpreis nominiert sind.

Das Buch nimmt uns mit in eine Geschichte, welche sich innert 1-2 Tagen in einer süddeutschen Kleinstadt abspielt und welche unterschiedliche Menschen auf verschlungene und oft überraschende Art zusammenbringt. Eine Geschichte, die mir (Patrick) zum Einstieg etwas anspruchsvoll war, weil ich zuerst Mühe hatte, die verschiedenen Figuren im Kopf zu behalten (was durchaus daran gelegen haben kann, dass ich jeweils nur ein paar Seiten aufs Mal lesen konnte). Aber das hat sich dann ziemlich schnell geändert und von da an war ich vom Wechselspiel der Figuren und ihren offenen und verborgenen Beziehungen und Begegnungen fasziniert. Die Autorin hat es gut geschafft, dieses Wechselspiel natürlich erscheinen zu lassen und vermieden, dass es konstruiert erscheint.

Alles in allem sicher ein würdiger Kandidat für den Buchpreis (auch wenn mein persönlicher Favorit Sibylle Bergs GRM bleibt).

Wie hat Euch "Der Sprung" gefallen? Abstimmen kann man wie immer via Doodle.

Seraina & Patrick

Sonntag, 22. September 2019

Schlussrunde #meinelage

Liebe alle,

das war für einmal eine eher ruhige Runde. Vielleicht war das Diskussionspotential nach Runde 80 ja vorerst ausgeschöpft, oder es war noch Ferienzeit, oder das Buch selbst gab auch ohne Diskussion schon genug zu beissen.

So ging es jedenfalls mir (Patrick), es war jedenfalls kein Buch um zwischendurch mal zwei oder drei Seiten zu lesen. Nichtsdestotrotz war es spannend, das Thema Liebe/Beziehung/Trennung mal aus einer männlichen (Protagonisten-)Optik lesen zu können und Arvid dabei begleiten zu können, wie er nach der Trennung lebensmässig ziemlich ins rotieren kommt. Und halt eben etwas anstrengend für den Leserhier , der beim Verfolgen der Gedanken- und Erlebnisstränge zwischendurch auch etwas ins rotieren kam. Aber falls ich je mal wieder nach Oslo reisen sollte, hab ich den Reiseführer jetzt quasi schon gelesen :-)

Wie ist es Euch mit dem Buch ergangen? Eine Wertung abgeben kann man wie immer in Doodle.

Seraina & Patrick

Samstag, 24. August 2019

Schlussrunde #nachohio

Liebe alle,

das war auf mehreren Ebenen eine spannende Runde. Nicht nur haben wir ein mehrschichtiges Buch gelesen und aus verschiedenen Sichten darüber diskutiert, sondern auch der Autor selbst hat sich auf Twitter dazugemischt, mitdiskutiert, den Unterschied zwischen Fiktion und Realität erklärt und uns einen ausführlichen Kommentar als Feedback geschickt.

Mir (Patrick) hat das Buch aussserordentlich gut gefallen, vielleicht gerade weil es kein Roman ist aber einen spannenden Blick in die nähere Geschichte vermittelt. Eine Geschichte welche unsere Urur-, Ur- und Grosseltern vielleicht zumindest im Freundeskreis ähnlich erlebt haben (ich hab zum Beispiel eine in USA "verschwundene" Urgrosstante), ohne dass sie in dieser Ausführlichkeit überliefert wurde. Beeindruckt hat mich insbesondere auch der Unterschied zwischen dem Leben in der Schweiz und dem in den Staaten. Gut nachvollziehbar, dass die USA da als das Land der unbegrenzten Freiheit wahrgenommen und erlebt wurde (Analogien zu heute verkneif ich mir jetzt mal). Was ich zwischendurch etwas vermisst habe, ist die Einordnung der Erzählung in den historischen und gesellschaftlichen Kontext (war teilweise da, teilweise auch nicht), aber das war verkraftbar.

Wer mag, kann im Doodle wie gewohnt seine Stimme abgeben.

Und wer noch mehr mag, kann den Autor im Rahmen von "Zürich liest" am 24. Oktober um 19:30 in der Buchhandlung am Hottingerplatz live erleben.

Seraina & Patrick

Sonntag, 14. Juli 2019

Schlussrunde #maschinen

Liebe alle,

mit etwas reallife-bedingter Verzögerung folgt hiermit noch die Schlussrunde zu "Maschinen wie ich" von Ian McEwan, unserer Lektüre vom Juni.

Das war ein Buch mit einem nicht uninteressantem "Alternative History"-Setup als Hintergrund für die Frage, was denn nun einen Menschen eigentlich zu einem Menschen macht und wie eine umfassende Künstliche Intelligenz mit den moralischen Fallstricken des menschlichen Lebens klarkommt. Zusammen mit der Liebesgeschichte wäre das eigentlich Material für eine spannende Geschichte gewesen, aber eben "wäre": Zu langatmig und ausführlich waren die einzelnen Elemente der Handlung, zu lange die Durchhänger zwischen den Highlights als dass sich bei mir (Patrick) ein guter Lesefluss eingestellt hätte. Schlussendlich schade, denn die aufgezeigten moralischen Spannungsfelder sind hochaktuell und hätten es verdient, in Ruhe gelesen zu werden. Vielleicht geb ich dem Buch ja auf Englisch ne zweite Chance.

Und wie hat der Roman euch gefallen? Lasst es uns wie immer hier wissen.

Liebe Grüsse
Seraina und Patrick

Montag, 3. Juni 2019

Schlussrunde #stotterer

Liebe alle,

während uns der Mai mit einem veritablen April-Wetter auf Trab gehalten hat, haben wir auch "Der Stotterer" von Charles Lewinsky gelesen. Und damit einen Autor gewählt, mit dem wir in der Vergangenheit schon positive Leseerlebnisse hatten. Entsprechend (hoch) waren die Erwartungen von einigen.

Seraina sagt zum Buch:
Mir hat das Buch ganz gut gefallen, ich bin jedenfalls flüssig in die Lektüre gestartet. Nach etwa der Hälfte fingen mich die vielen Erzähl-Ebenen jedoch an, etwas zu überfordern und ich stellte fest, wie ich beispielsweise bei den (vermeintlich?) fiktiven Erzählungen des Protagonisten anfing, nur noch quer zu lesen oder gar zu überblättern, nur um schneller wieder zurück zum Tagebuch-Strang zu gelangen, der mich von allen Ebenen am meisten fesseln konnte. Irgendwann setzte dann eine gewisse Ermüdung ein und ein Herbeisehnen eines "runden" Endes. Rein inhaltlich und v.a. sprachlich gefällt mir der Roman gut. Die vom Autor gewählte Erzähl-Art ist nur für einmal so gar nicht meins gewesen und beeinträchtigt mein Gesamt-Schlussfazit ein wenig. ;)
Und das meint Patrick:
Wie immer bei Lewinsky sind die Sprache des Buches, die Formulierungen und subtilen Ton-Unterschiede je nach Kontext, und das Spiel mit den verschiedenen Erzählebenen beeindruckend. Dadurch fiel mir der Einstieg leicht, und die ersten Abschnitte zogen mich ziemlich vorwärts. Bis sich dann, nach dem x-ten Cliffhanger-Schluss eines der Briefe, eine erste Langeweile einschlich. Einerseits weil mich der wiederholte Einsatz dieses Stilmittels befürchten liess, dass sich das durch den ganzen Roman ziehen würde, andererseits weil ich mich bei Büchern mit Cliffhangern immer wieder mal frage ob der Autor Angst hatte, sonst nicht genügend Spannung aufbauen zu können. 
Ganz so schlimm kam es mit den Cliffhangern dann zwar nicht, aber die Geschichte begann dann trotzdem irgendwie vor sich hin zu plätschern. Irgendwie schafften es die Figuren für mich nicht, in irgendeiner Form zum Leben zu erwachen, allzu flach und unmotiviert blieb für mich ihr Agieren. Und der Schluss mit der leicht anderen Sicht auf Vorfälle welche anfangs schon mal aufgeführt worden waren, war so weit von diesem Anfang entfernt dass ich nicht mal merkte wie hier ein Spannungsbogen hätte aufgelöst werden sollen.
Insofern war das für mich eine einigermassen gut zu lesende Geschichte die mich schlussendlich aber nicht wirklich vom Hocker gehauen hat.
Und wie hat der Roman euch gefallen? Lasst es uns wie immer hier wissen.

Liebe Grüsse
Seraina und Patrick


Dienstag, 30. April 2019

Schlussrunde #krien

Liebe alle,

der April ist schon fast vorbei, Runde 77 ebenfalls, gemeinsam haben wir "Die Liebe im Ernstfall" von Daniele Krien gelesen. Auf Twitter war es relativ ruhig, vielleicht waren ja die Ostereier zu gut versteckt und mussten lange gesucht werden.

Das Buch zeigt uns das Leben und Lieben von fünf Frauen, welche jeden ihren eigenen Weg geht und die doch auf verschiedene Weisen den einen und anderen Berührungspunkt miteinander haben. Nicht alle Wege scheinen gleichermassen erfolgreich und zufriedenstellend zu sein, aber jede versucht auf ihre Weise, mit ihrem Leben klarzukommen. Summa summarum ein lesenswertes Buch, auch wenn ich nicht mit allen Figuren gleichermassen klargekommen bin. Immerhin zeigt die Geschichte der beiden Schwestern zum Schluss, dass man ausgetretene/eingespielte Pfade auch verlassen und neues Anfangen kann. Bis zum Schluss unklar blieb mir allerdings der im Klappentext wie in den Kritiken erwähnte (post-)DDR-Bezug, die Geschichten könnten gleichermassen im Westen Deutschlands oder woanders spielen.

Wie hat es Euch gefallen? Lasst es uns wie immer im Doodle wissen.

Seraina & Patrick

Samstag, 30. März 2019

Schlussrunde #alleingang

Liebe Alle,

im März haben wir gemeinsam "Alleingang" von Stefan Moster gelesen, ein Buch über einen Aussenseiter, der irgendwie dazugehören möchte, und es irgendwie dann doch nicht tut.

Mich (Patrick) hat das Buch von Anfang an angesprochen, was natürlich gut daran liegen kann, dass die Vergangenheit der Erzählung in einer Zeit spielt, in der ich etwa gleich alt war wie die Protagonisten, und mir daher einige Dinge sehr vertraut vorkamen :-). Freddys Versuche, dazuzugehören und seinen Freunden zu zeigen, dass er doch auch einer von ihnen ist, wirken manchmal übertrieben, manchmal hilflos, regen aber immer auch wieder zum Nachdenken an. Und trotz einiger Längen schafft es der Autor, sowohl den Bogen mit dem Gefängnisaufenthalt wie auch mit der Beziehung über das ganze Buch aufzuspannen. Die Geschichte endet offen, man kann Freddy nur den Daumen drücken und hoffen, dass er mit sich und seinen verbliebenen Freunden Frieden schliessen kann.

Den Tweets nach zu schliessen hat das Buch Euch auch zum Denken und Diskutieren angeregt. Lasst uns Euere Bewertung im Doodle wissen.

Liebe Grüsse
Seraina & Patrick

Sonntag, 24. Februar 2019

Schlussrunde #stella

Liebe alle,

im Januar haben wir gemeinsam Stella von Takis Würger gelesen. Das Buch hat für einigen #lesezirkel-Verkehr auf Twitter gesorgt, und auch die deutschen Feuilletons haben sich sehr ausgiebig und kontrovers mit dem Buch beschäftigt (einige Links dazu waren in den erwähnten Tweets enthalten).

Patrick sagt zum Buch:
Was als Geschichte eher leicht dysfunktionalen aber kaum atypischen Familie beginnt, könnte mit der Reise des Protagonisten nach Berlin eine dramatische Wende erfahren. Eine Dramatik welche sich dann aber in der Geschichte nur sehr am Rande widerspiegelt, und von der Blauäugigkeit/Naivität des jungen Mannes sowohl gegenüber dem lebensgewandten SS-Offiziers wie auch der attraktiven Stella weitgehend zugedeckt wird. Da können dann auch die verschiedenen Einsprengsel von Gefahr und Judenverfolgung nicht mehr viel retten, eine eigentliche Auseinandersetzung mit den Vorfällen findet nicht statt.
Es ist mir ein Rätsel, was der Autor mit diesem Buch eigentlich bezwecken wollte. Für eine Reflexion menschlichen Überlebenswillens angesichts unkontrollierbarer Gefahren scheint es mir allzu seicht (da genau diese Reflexion nicht stattfindet), für ein Gegenüberstellen von versuchtem Alltag und realer Gefahr zu banal (da auch die Gefahren nicht wirklich gross Platz im Buch finden). Und meine auf Twitter geäusserte Vermutung, dass der Schreibstil als Spiegelung der etwas gar simplen Weltsicht und des etwas gar naiven Verhaltens des Protagonisten zu sehen ist, überzeugt mich schussendlich selbst nicht so wirklich. Der Stoff hätte, gerade aufgrund der historischen Relevanz, eine bessere Behandlung verdient.
Gespannt bin ich auf die Lesung von Takis Würger am 12. März im Orell-Füssli in Zürich. Vielleicht versteh ich danach mehr über die Motivation des Autors. 

Und das meint Seraina:
Etwas verspätet startete ich Mitte Januar und las an einem Wochenende gleich mehr als die Hälfte des Romans auf einmal. Und was soll ich sagen - es las sich angenehm flüssig. Fast im Plauderton. Und dann waren da immer die echten(?) Aktennotizen aus dem Staatsarchiv Berlin. Die kreischten und quietschten in die dahinplätschernde Geschichte als wüste und hässliche Misstöne. Die brachten meinen Lesesfluss doch arg ins Stocken. Nicht selten habe ich an solchen Stellen eine Pause eingelegt.
Je weiter ich las, desto "salopper" kam mir alles vor. Ich habe je länger desto weniger die einzelnen Bestandteile zusammenbringen können und war also sehr gespannt auf das Ende. Wie immer mag ich auch bei diesem Buch den Kunstgriff des Autors nicht so sehr, am Schluss die Zeit schneller laufen zu lassen, resp. zusammen zu fassen. Aber an für sich ist das gewählte Ende in meinen Augen schlüssig und stimmig. Mehr als die vielen kleinen, nicht ganz passenden Puzzleteile weiter vorne.
Wenn man den Roman 'einfach so' liest, ist es eine gute Geschichte, in der von allem etwas vorkommt: Liebe, Hass, Verbrechen, Politik, usw. Das wird aber kaum jemand können, der im Europa nach 1945 grossgeworden ist. Und wenn man das Buch mit 'historischem Blick' liest, passt wirklich eigentlich nichts zusammen, am augenfälligsten nicht die etwas unklare Mischung von wahren Begebenheiten und Fiktion, resp. die verschiedenen Flughöhen.

Wie ist es Euch mit Stella ergangen? Lasst uns auf Twitter mit #schlussfazit #stella und #lesezirkel und im Doodle wissen.

Seraina & Patrick

Sonntag, 27. Januar 2019

Schlussrunde #jungermann

Liebe alle,

im Januar haben wir gemeinsam "Junger Mann" von Wolf Haas gelesen, ein gut lesbarer Einstieg ins neue Jahr den wohl nicht nur ich (Patrick) schneller las als wir uns das vorgenommen hatten.

Wir haben im Buch einen jungen Mann beim Erwachsen werden begleitet. Einem Erwachsenwerden, welches mit einer Abmagerungskur und einer halben Liebesgeschichte beginnt, zu einer Lastwagenfahrt nach Griechenland führt und schlussendlich zu lebensrettenden Entscheiden. Die Sprache ist unaufgeregt, wirkte auf mich manchmal fast übertrieben nüchtern, beschreibt die Geschehnisse aber auf eine irgendwie auch immer wieder humorvolle Art und Weise. Und die langsame Annäherung zwischen dem jungen Mann und Tscho, durch welche letzterer mehr Form, Farbe und Komplexität bekommt, ist wunderbar beschrieben. Mit anderen Worten: Mir hat es sehr gut gefallen. 😂

Wie hat Euch der junge Mann gefallen? Lasst es uns wie immer im Doodle wissen.

Seraina & Patrick

Sonntag, 2. Dezember 2018

Schlussrunde #paasilinna

Liebe alle,

in Runde 73 haben wir gemeinsam "Der wunderbare Massenselbstmord" von Arto Paasilinna gelesen. Und während unsere Helden mit dem Bus von Finnland in den warmen Süden fuhren, ist bei uns zwar noch nicht ganz der Winter ausgebrochen aber es wurde immerhin wieder mal etwas kühler als auch schon.

Das Buch selbst ist von der Anlage ja durchaus erfolgversprechend, und die einzelnen Figuren haben durchaus ihren Charme. Wie aber auch schon die Diskussion auf Twitter gezeigt hat, hat es dann insgesamt doch die eine oder andere Länge im Text, und der eine oder andere Abschnitt (nicht nur die zumindest für Zürcher/innen reichlich fantastisch anmutende Schilderung der hiesigen Gebräuche und Lokalitäten) wirkt eher verwirrend. Irgendwie sind es mit der Zeit auch zu viele Figuren als dass ich (Patrick) mir jede einzelne mit ihrer Geschichte hätte merken können (was dann zwischendurch dazu führte, dass mich eine Referenz oder ein Verhalten ziemlich irritierte). Schade eigentlich, so ein Road Movie von Menschen die ihrem Leben ein Ende setzen wollen und Spass dabei haben, hätte ja durchaus seinen Reiz gehabt.

Wie ist es Euch ergangen? Lasst es uns wie immer in Doodle wissen.

Seraina & Patrick

Montag, 22. Oktober 2018

Schlussrunde #eidechsenkind

Liebe alle,

in den letzten Wochen haben wir gemeinsam "Das Eidechsenkind" von Vincenzo Todisco gelesen. Auf Twitter war es dazu schon fast gespenstisch still, ob das wohl am nicht enden wollenden Sommer lag?

Das Buch hat mich (Patrick) sehr beeindruckt, sowohl vom Thema wie auch von der Sprache her. Die Thematik der Saisonniers und Gastarbeiter in den 60er-Jahren, die Problematik der Kinder welche nicht sein durften, wird ohne zu moralisieren erzählt und beschrieben. Der Autor bleibt dabei steht der durchaus wohlwollende Beobachter, der den Blick sowohl auf die schmerzhaften wie auch die trotz allem positiven Momente legt. Der Buchbesprechung in der NZZ kann ich daher weitgehend beipflichten.

Wie hat Euch das Buch gefallen? Lasst es uns wie immer via Doodle wissen, vielleicht mag die eine oder der andere ja auch noch über die Eindrücke twittern.

Seraina & Patrick

Sonntag, 23. September 2018

Schlussrunde #königskinder

Liebe alle,

im September haben wir gemeinsam "Königskinder" von Alex Capus gelesen.

Das war ein Buch, welches so lesefreundlich ist, dass es mir (Patrick) nicht mal die 4h Busfahrt von Riga nach Vilnius ausfüllte. Wenn ich den einen oder anderen Tweet richtig verstanden habe, ist es anderen in anderen Teilen der Welt ähnlich ergangen.

Wobei "lesefreundlich" ja durchaus positiv zu verstehen ist. Der Autor nimmt uns mit auf eine Reise in die Zeit der französischen Revolution, und zu einer Liebesgeschichte welche Jahrzehnte, Vorurteile, Standesunterschiede und so einiges mehr überspannt. Und uns so nebenbei die Westschweiz des 18. Jahrhunderts wie auch den französischen Königshof kurz vor der Revolution auf eine Art näherbringt wie sie so wohl eher nicht in den Geschichtsbüchern steht.

Wie hat Euch das Buch gefallen? Es gibt wie immer einen Doodle für alle welche ihre Meinung kundtun wollen (wobei twittern natürlich auch erlaubt ist :-)).

Seraina & Patrick


Freitag, 7. September 2018

Schlussrunde #töchter

Liebe alle,

In Runde 70 haben wir „Töchter“ von Lucy Fricke gelesen, Ferien- und alltagsbedingt leicht verspätet kommt hier noch die Schlussrunde dazu.

Ich (Patrick) bin mit dem Buch nicht so richtig warm geworden, stellenweise hat es mich eher verwirrt und etwas ratlos zurückgelassen. Was als durchaus humorvolle und hintergründige Road Movie-Geschichte beginnt entwickelt sind über die Seiten hinweg zu einer etwa eigenartigen Suche nach einer verloren geglaubten Vaterfigur. Vielleicht macht die Geschichte mehr Sinn wenn man die früheren Bücher mit denselben Figuren auch gelesen hat. Aber so auf sich alleine gestellt wirkt deren Handeln auf mich nicht wirklich schlüssig.

Was ist Euer Eindruck vom Buch, wie hat es Euch gefallen? Lasst es uns wie immer via Doodle wissen.

Seraina & Patrick

Sonntag, 1. Juli 2018

Schlussrunde #gedankenspieler

Liebe alle,

der Juni war für mich (Patrick) aus verschiedenen Gründen eine schwierige Leserunde: Im normalen Leben geht es momentan etwas hektisch zu, die Fussball-WM sorgt für Unterhaltung, und der Gedankenspieler von Peter Härtling erwies sich trotz interessantem Start als eher harzige Lektüre. Angesichts der sonstigen Ablenkung will ich das jetzt nicht allzu hoch gewichten, aber der langsame Niedergang des Protagonisten und dessen teilweise ziemlich schroffe Reaktionen auf die Bemühungen seines Umfelds waren phasenweise schwer zu ertragen. Natürlich gab es auch den einen oder anderen heiteren Moment, aber diese waren in der allgemeinen Stimmung zumindest für mich schwer zu erkennen.

Wie ist es Euch ergangen? Auf Twitter war es ziemlich ruhig, aber vielleicht will ja der eine oder die anderen via Doodle eine Aussage machen.

Liebe Grüsse
Seraina & Patrick